13. Juni 2016

Zeltverbot in Kärnten

von in Tipps
Zeltverbot in Kärnten

Im 2. Teil von Karpfenfischen in Kärnten beschäftigt sich Daniel Polsinger mit dem Zeltverbot in Kärnten.

Campierverbot – was nun?

Als Karpfenangler verbringt man für gewöhnlich Tage und Nächte am Wasser. Schutz vor Regen und Sturm bieten uns im Normalfall Zelte bzw. Brollys – doch die sind in Kärnten nicht erlaubt. In diesem Teil unserer Serie erklärt Daniel Polsinger die Gesetze im Detail und gibt Anregungen, wie man trotzdem gesetzeskonform angeln kann.

Viel wird über das Campierverbot in Kärnten geschrieben und gesprochen: Zelte ohne Boden seien angeblich erlaubt, Brollys sollen ja gar nicht als Zelte gelten, sogar über die angeblich erlaubte Anzahl an Heringen und die vermeintlich erlaubten Farben eines Zeltes wird diskutiert. Alles Blödsinn!

 

Sämtliche Zelte und zeltähnliche Aufbauten, die der Behausung dienen, sind in Kärnten verboten.

Sämtliche Zelte und zeltähnliche Aufbauten, die der Behausung dienen, sind in Kärnten verboten.

Das Zelten ist in Kärnten außer auf Campingplätzen verboten. Punkt.

Dies gilt übrigens auch für das Dauerhafte Parken von Campingwägen. Auch Privatgrundstücke sind von dieser gesetzlichen Regelung nicht per se ausgeschlossen.

 

Was heißt das im Detail?

Es spielt überhaupt keine Rolle, welche Form und welches Aufbausystem die Unterkunft hat. Sobald sie die Charakteristika eines Zeltes aufweist, gilt sie auch als ein solches. Dies schließt auch die Möglichkeit zur allseitigen Verschließung der Unterkunft mit ein – mit Betonung auf Möglichkeit! Das bedeutet nämlich, dass auch ein Brolly ohne eingezippter Front als Zelt beanstandet werden kann, da die Möglichkeit besteht, eine solche anzubringen.

 

Thema Schirmzelt

Nur Liege und Schirm: Erlaubt.

Nur Liege und Schirm: Erlaubt.

Um Missverständnissen zu vermeiden – mit Schirmzelt sind keine Brollys gemeint, die wie ein Schirm aufgespannt werden können und die ebenfalls als Zelt gelten, sondern die „alten“ Schirmzelte, bestehend aus einem übergroßen Regenschirm, einem Erdspeer in der Mitte und einer anzippbaren Plane rundherum. Ein solches Schirmzelt darf man zwar aufstellen, jedoch wird eine Übernachtung darin ebenfalls als Campieren aufgefasst.

Was bleibt also noch? Nicht viel. Lediglich das Spannen einer Plane zwischen Bäume stellt keine Gesetzesübertretung dar.

 

Strafen

Kontrolliert wird das Kampierverbot von der Kärntner Bergwacht und in seltenen Fällen von der Polizei. Die Strafen variieren, können aber schwindelerregende Höhen bis zu 7.260 Euro erreichen. In manchen Fällen wird auch erst einmal eine Verwarnung ausgesprochen, woraufhin Sie die Möglichkeit erhalten, Ihr Zelt abzubauen.

 

Kurzzusammenfassung

Eigentlich ist es einfach: jegliche „Gebilde“, die als Behausung dienen, sind verboten. Ein Ausweg aus dieser für uns Karpfenangler sehr misslichen Lage scheint derzeit nicht in Sicht. Von der Gesetzeslage kann man halten, was man will. Ich persönlich bin der Meinung, dass zumindest der Inhaber einer gültigen Angelkarte die Möglichkeit haben sollte, in einem adäquat dimensionierten Zelt zu übernachten.

Auch ohne Zelt lassen sich lauschige Angelnächte verbringen. Das Naturerlebnis ist ein anderes als zwischen stickigen Zeltwänden.

Auch ohne Zelt lassen sich lauschige Angelnächte verbringen. Das Naturerlebnis ist ein anderes als zwischen stickigen Zeltwänden.

 

Was also tun, wenn man trotzdem an einem Kärntner Gewässer mehrere Tage und Nächte am Stück angeln möchte?

  • An den großen Badeseen gibt es meist einige Pensionsbetreiber, die über einen eigenen Steg und nicht selten über eine Hütte am Ufer verfügen. Es besteht die Möglichkeit, bei solchen einfach nachzufragen, ob man Steg und Hütte für die Dauer des Aufenthalts mieten kann. Dies kann vor allem im Frühjahr und Herbst von Erfolg gekrönt sein. Somit geht man jeglichem Stress aus dem Weg.
  • Dasselbe gilt für Campingplätze mit einem direkten Seezugang.

 

Keine Lust auf Campingplatz?

Wer keine Lust auf das „Touristenangeln“ von gemieteten Flächen aus hat, bzw. ein Gewässer lieber selbst erkundet und somit nicht auf bestimmte Plätze beschränkt sein will, muss erfinderisch sein. Ich persönlich angle von April bis etwa Ende Oktober meist einfach unter freiem Himmel. Dass dafür die Ausrüstung zuverlässig und hochwertig sein muss, versteht sich von selbst.

Wer draußen schlafen möchte, braucht eine gut isolierende Liege, einen zur Jahreszeit passenden Schlafsack und idealerweise ein wasserdichtes Bedchaircover.

Wer draußen schlafen möchte, braucht eine gut isolierende Liege, einen zur Jahreszeit passenden Schlafsack und idealerweise ein wasserdichtes Bedchaircover.

– Das Bedchair: Die meisten Angler legen zu viel Wert auf die Qualität ihres Schlafsacks, dabei ist die Beschaffenheit des Bedchairs genauso wichtig, vor allem natürlich im Frühjahr und Herbst. Der ausschlaggebende Teil der Liege ist die Liegefläche selbst, denn die meiste Kälte kommt von unten! Isoliert die Liege von unten nicht ordentlich, hilft auch der beste Schlafsack nichts. Liegt man im Schlafsack, komprimiert man dessen Unterseite und beraubt das Produkt so eines Großteils seiner Isolierfähigkeit – etwa so, als würde man ohne Isomatte am Erdboden liegen. Achten Sie beim Kauf einer Liege also auf eine dicke, gut isolierende Matratze.

– Der Schlafsack: Als optimal haben sich für mich 5-Season-Schlafsäcke mit einem herausnehmbaren Innenfutter erwiesen. Das Innenfutter kann nach Belieben ein- und wieder weggezippt werden.

– Bedchair-Cover: Das ist das Herzstück meiner Ausrüstung zum Schlafen unter freiem Himmel. Ein gutes Bedchair-Cover ist absolut wasserdicht, jedoch atmungsaktiv (kein Schwitzen!) und verfügt über eine Innenseite aus Fleece. Wie auch der Schlafsack kann diese Überdecke an der Liege befestigt werden, um Rutschen zu verhindern. Im Sommer komme ich oft sogar ganz ohne Schlafsack aus und decke mich nur mit dem Bedchair Cover zu. Verwendet man es in Kombination mit einem Schlafsack sorgt die Decke dafür, dass dieser nicht feucht wird – weder vom Morgentau noch von Regenschauern.

– Anglerschirm: Ein ganz normaler Anglerschirm ohne irgendwelche Reißverschlüsse komplettiert meine „Nicht-Campingausrüstung“. Ich stelle diesen Schirm über das Kopfteil meiner Liege und bin somit vor allen Regen, Schnee und Hagel geschützt. Klar, das ist nicht ganz so komfortabel wie ein richtiges Bivvy, mir aber trotzdem immer noch lieber als Stress mit Kontrolleuren und Geldstrafen.

– Sleep Systems – der Königsweg: Sleep Systems bestehen in der Regel aus einer Liege (oft mit herausnehmbarer Matratze), einem anzippbaren Schlafsack (meist mit mehreren optionalen Schichten) und einer wasserdichten Überdecke. Besonders die hochpreisigen Modelle versprechen hier wirklich beste Qualität.

 

 

Andere Vergehen

Müll hat am Angelplatz natürlich nichts verloren. Achten Sie darauf, dass Ihrer sauber ist – auch wenn Sie Müll sehen, der nicht von Ihnen stammt.

Müll hat am Angelplatz natürlich nichts verloren. Achten Sie darauf, dass Ihrer sauber ist – auch wenn Sie Müll sehen, der nicht von Ihnen stammt.

Auch wenn Sie Ihren Aufenthalt am Wasser völlig gesetzeskonform gestaltet haben, gibt es noch andere Aspekte, die von der Kärntner Bergwacht kontrolliert werden und zu Strafen führen können. Insbesondere sind dies:

  • Müll: Liegt Müll an Ihrem Angelplatz herum, wird automatisch davon ausgegangen, dass er von Ihnen stammt. Dies ist auch absolut verständlich, denn so gibt es keine Ausreden a la „Ist nicht von mir“ mehr. Achten Sie also darauf, dass Ihr Angelplatz sauber ist, auch wenn das bedeutet, dass Sie erst den Müll anderer Leute einsammeln müssen. Benutzen Sie einen Müllsack, den Sie im Falle einer Kontrolle auch vorweisen können. Achtung: Auch Zigarettenstummel sind Müll!
  • Offene Feuer, Lagerfeuer: Sie sind strengstens verboten.

 

 

Ich werde kontrolliert – was nun?

Die Aufsichtsfischer in Kärnten sind dazu da, die fischereilichen Aspekte Ihres Aufenthalts zu kontrollieren. Sie interessieren sich in der Regel nicht allzu sehr dafür, ob Sie einen Schirm oder ein Zelt aufgebaut haben. Das bedeutet nicht, dass es keine Ausnahmen von dieser Regel geben kann.

Das Campierverbot wird vor allem von der Kärntner Bergwacht kontrolliert. Die Bergwächter sind Organe der öffentlichen Aufsicht und sind als Beamte im Sinne des Strafgesetzbuches anzusehen. Ihre Befugnisse sind weitreichend und durchaus vergleichbar mit denen der Polizei. So dürfen Bergwächter Identitäten feststellen, Fahrzeuge und Gepäckstücke durchsuchen, private Grundstücke betreten, ja sogar Gegenstände beschlagnahmen und Festnahmen durchführen.

Kontrollen von Anglern erfolgen sowohl zu Fuß als auch per Boot – letzteres vor allem entlang der Drau. Im Falle einer Kontrolle haben Sie im besten Fall nichts zu befürchten, denn Sie haben sich an alle Gesetze gehalten.
Sollte es doch  zu Uneinigkeiten kommen, rate ich persönlich eher zur Vernunft – auch wenn es schwer fallen kann, in so einer Situation ruhig zu bleiben. Bedenken Sie Ihrem Kontostand zuliebe, dass Ihr Gegenüber immer am längeren Hebel sitzt. Mir ist aus meinem  Bekanntenkreis und nach 21 Jahren angeln in Kärnten kein Fall bekannt, in dem eine bereits verhängte Strafe wieder zurückgezogen wurde.

Erhalten Sie nur eine Verwarnung und die Möglichkeit, Ihr Zelt straffrei abzubauen, sollten Sie diese ergreifen. Diskussionen oder gar Streitgespräche führen im besten Fall zu nichts, im schlechtesten Fall zu einer Erhöhung der Geldstrafe.

Besonders heikel wird es, wenn nicht nur das Campierverbot nicht eingehalten wird, sondern wenn der Angelplatz auch noch aussieht, wie der sprichwörtliche „Saustall“. Ein großes Zweimann-Bivvy, daneben etliche geleerte Bierdosen, die rauchenden Aschereste des osterhaufengroßen Lagerfeuers und die knochigen Überbleibsel der Grillage vom Vortag in den Büschen – damit ist man in Kärnten glücklicherweise auf dem Holzweg!

 

Versuchen Sie generell, Ihren Aufenthalt am Wasser möglichst unauffällig und kompakt zu gestalten. Gliedern Sie sich in Ihre Umgebung ein, halten Sie Ihre Ausrüstung kompakt und aufgeräumt und werden Sie eins mit der Natur, die Sie umgibt. So können Sie Ihr Angelabenteuer sogar noch intensiver genießen!

 

Autor: Daniel Polsinger

Wer sagt, dass man im Winter ein Zelt braucht?

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In Kärnten können Karpfenanglerträume wahr werden.

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